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Übergewicht operativ entfernen?

Keine Spaghetti, keine Haut von Orangen, Bohnen und Mais, nicht gemeinsam essen und trinken und auch keine Kohlensäure – das sind nur einige der Empfehlungen, an die sich Menschen mit Magenband halten müssen. Bereits ein kleiner Ausrutscher wird sofort spürbar. Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen sind oft die Folgen.

Autor: KiloCoach Datenbank

Veröffentlicht: 02.10.2012 | 00:00

(© Yuri Arcurs / Fotolia.com)
(© Yuri Arcurs / Fotolia.com)

Und doch gibt es viele Betroffene, die einen operativen Eingriff als die einzige Chance sehen, sich endgültig von ihren überschüssigen Kilos zu verabschieden und all diese Strapazen auf sich nehmen bzw. wohl oder übel auf sich nehmen müssen. Die Anzahl an Adipositas-chirurgischen Eingriffen steigt jährlich an. In Österreich zum Beispiel werden bereits ca. 2500 derartige Eingriffe pro Jahr durchgeführt.

Operative Maßnahmen können durch eine Verkleinerung des Magens bzw. durch eine schlechtere Aufnahme der Nährstoffe eine Gewichtsreduktion bewirken. Ein Freifahrtschein für lebenslanges Schlemmen sind sie jedoch nicht. Adipositas-chirurgische Eingriffe können das Abnehmen maximal erleichtern. Eine langfristig erfolgreiche Gewichtsabnahme ist nur dann möglich, wenn der/die Betroffene auch bereit ist, den Lebensstil zu ändern.

Wir haben über die gängigsten OP-Möglichkeiten, Vor- und Nachteile der Methoden und über eventuelle Komplikationen mit einem Experten auf diesem Gebiet gesprochen, und zwar mit Prim. Univ.-Prof. Dr. Mag. Alexander Klaus, Vorstand der Abteilung für Chirurgie im Krankenhaus Barmherzige Schwestern in Wien.

Interview

Anfang Interview

KiloCoach™: Welche chirurgischen Möglichkeiten gibt es, um das Übergewicht in den Griff zu bekommen? Könnten Sie uns die gängigsten Methoden kurz beschreiben?

Dr. Klaus: Derzeit gibt es methodisch keinen Gold-Standard als chirurgischen Eingriff in der bariatrischen Chirurgie. In die Entscheidung für oder gegen eine Operationsmethode fließen anatomische und funktionelle Überlegungen ein. Man unterscheidet prinzipiell zwischen so genannten restriktiven und malabsorptiven Eingriffen, wobei erstere darauf abzielen weniger Kalorien zuführen zu können und letztere das Ziel haben, weniger Kalorien durch den Verdauungstrakt aufzunehmen.
Zu den restriktiven Eingriffen zählen das verstellbare Magenband, wobei hier ein Silikonband um den Magen geleget wird, das durch Injektionen an den Gewichtsverlust adaptiert werden kann. Die so genannte Sleeve-Resektion ist auch eine restriktive Methode, bei der ein Teil des Magens entfernt wird, sodass ein schmaler Magenschlauch entsteht, der frühzeitig zum Sättigungsgefühl führt. Der Roux-Y Magenbypass ist derzeit der am häufigsten durchgeführte bariatrische Eingriff. Diese Operationsmethode erzielt durch die Bildung eines kleinen Magens einen restriktiven Effekt. Der Restmagen, der Zwölffingerdarm und der obere Anteil des Dünndarms werden von der Speisepassage ausgeschalten. Diese Methode ist bereits 1967 erstmals durchgeführt worden, was bedeutet, dass wir eine sehr große Erfahrung damit haben.
Zu den malabsorptiven Eingriffen zählen die biliopankreatische Diversion nach Nicola Scopinaro und der Duodenal Switch. Beide Methoden vereinen eine Magenverkleinerung mit einer Verkürzung des Dünndarms und damit der Verdauungsstrecke. Diese Methoden werden derzeit in Österreich sehr zurückhaltend eingesetzt. Die Ergebnisse mit restriktiven Eingriffen sind bei uns in Österreich sehr gut. Malabsorptive Operationen bergen einerseits ein höheres Operationsrisiko und andererseits ein höheres Risiko an Vitamin- und Elektrolytmangel im Langzeitverlauf und führen bei einigen Patienten zu anhaltendem Durchfall. Aus diesen Gründen bevorzugen die meisten Ärzte in Österreich restriktive Verfahren.

KiloCoach™: Welche „Vorraussetzungen“ muss der Patient erfüllen, dass ein chirurgischer Eingriff gegen Übergewicht überhaupt durchgeführt wird?

Dr. Klaus: Die Auswahl der Patienten erfolgt nach strengen Kriterien der National Institute of Health Consensus Development Conference. Die Indikation zur Operation wird nicht nur vom Chirurgen sondern in interdisziplinärer Arbeit gemeinsam mit einem auf Adipositasbehandlung spezialisierten Team gestellt. Dieses Team besteht bei uns im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern neben dem Chirurgen aus einem Psychologen, einem Ernährungsberater sowie Experten auf dem Gebiet der Stoffwechselerkrankungen.
Langfristige Erfolge sind bei Patienten ab einem BMI von über 40kg/m2 oft nur chirurgisch zu erzielen, sodass diese Patienten Kandidaten für einen chirurgischen Eingriff sind. Auch Patienten mit Adipositas Grad 2 – das entspricht einem BMI zwischen 35

KiloCoach™: Gibt es für Sie so ein Leitkriterium, das für Sie entscheidend ist, ob ein Patient für einen solchen chirurgischen Eingriff in Frage kommt oder nicht?

Dr. Klaus: Als Leitkriterium wird derzeit der Body Mass Index von der WHO empfohlen. Dieser gibt ein Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße (kg/ m2) an. Ob ein Patient dann aber letztendlich für einen chirurgischen Eingriff in Frage kommt wird interdisziplinär in einem Adipositasboard entschieden.

KiloCoach™: Wie hoch sind die Kosten? Werden diese von der Krankenkasse getragen?

Dr. Klaus: Die Kosten für den Eingriff sind abhängig von der Art der Operation und von der stationären Aufenthaltsdauer und werden in Österreich von der Krankenkasse übernommen. In einigen Bundesländern und so auch in Wien ist allerdings eine Bestätigung zur Kostenübernahme vor der Operation notwendig.

KiloCoach™: Ein chirurgischer Eingriff alleine kann keine Wunder bewirken. Es muss auch die Grundeinstellung des Patienten stimmen. Er muss bereit sein, seinen Lebensstil zu ändern. Gibt es im Vorfeld eine Aufklärung darüber bzw. wie sieht diese genau aus?

Dr. Klaus: Der chirurgische Eingriff ist eine Hilfe für den Patienten, um dauerhaft Gewicht zu verlieren. Damit sich jeder Patient optimal auf das Leben nach der Operation vorbereiten kann erfolgt eine ausführliche interdisziplinäre Aufklärung durch den behandelnden Chirurgen, Internisten und Psychologen. Aus meiner Erfahrung ist es sehr hilfreich für die Patienten, sich vor der Operation mit Patienten zu unterhalten, die bereits operiert wurden. Das geschieht optimalerweise im Rahmen der Adipositas Selbsthilfegruppe, die österreichweit sehr gut organisiert ist und regelmäßige Abendveranstaltungen anbietet.

KiloCoach™: Was erwartet denn den Patienten nun wirklich nach einer solchen OP? Wie groß ist die Umstellung? Wo gibt es die größten Probleme?

Dr. Klaus: Unmittelbar nach der Operation erwartet den Patienten eine rasche Mobilisation und ein langsamer Kostaufbau während des stationären Aufenthaltes. Zudem ist eine lebenslange Nachsorge empfohlen, um chirurgische Probleme, wie Narbenhernien oder Stenosen im Bereich der Anastomosen sowie auch internistische Probleme, wie Vitamin, Eisen- oder Kalziummangel frühzeitig zu entdecken und entsprechend zu behandeln. Die Umstellung durch die Operation ist, was das Essverhalten anbelangt, sehr groß, damit auch ein entsprechender Gewichtsverlust erzielt werden kann. Genauso groß ist auch die Umstellung, die durch die verbesserte Lebensqualität entsteht, da Patienten nach entsprechendem Gewichtsverlust wieder Sport betreiben können, Medikamente reduzieren und alltägliche Belange beschwerdefrei erledigen können.

KiloCoach™: Wie sieht die Nachsorge bei solchen Eingriffen aus?

Dr. Klaus: Jeder Patient wird bei uns anfänglich chirurgisch alle drei Monate, dann halbjährlich und schließlich jedes Jahr einmal kontrolliert. Parallel dazu finden regelmäßige internistische Kontrollen und bei Bedarf psychologische Gesprächstermine und Diätberatungen statt.

KiloCoach™: Welche Komplikationen können bei bzw. nach einem chirurgischen Eingriff auftreten?

Dr. Klaus: Je nach Operation gibt es verschiedene Komplikationen, die auch nach chirurgischen Eingriffen auftreten können. Im Kurzzeitverlauf sind in erster Linie Probleme mit den neuen Verbindungen zwischen Magen und Darm zu nennen. Infektionen, Blutungen oder Thrombosen können wie bei allen anderen Operationen auch nach bariatrischen Eingriffen auftreten. Im Langzeitverlauf ist es wichtig, dass sich Patienten an Chirurgen wenden, die mit dieser Art von Operation vertraut sind, damit innere oder äußere Hernien, Stenosen oder Verwachsungen rechtzeitig diagnostiziert werden. Das Magenband kann zu sehr spezifischen Problemen durch Verrutschen oder Veränderungen in der Speiseröhre führen.

KiloCoach™: Bei den genannten Eingriffen wird der Magen verkleinert. Welche Portionen/Mengen kann dann der Betroffene noch essen/trinken?

Dr. Klaus: Trinken muss nach jeder Operation ausreichend möglich sein. Regelmäßige Flüssigkeitszufuhr ist vielmehr erforderlich, wobei diese möglichst kalorienarm sein sollte. Was das Essen anbelangt, so wird der Magen auf ein Füllungsvolumen von ca. 30 ml reduziert, um ausreichend Restriktion zu erzeugen.

KiloCoach™: Ist dann eine ausreichende Nährstoffversorgung über natürliche Lebensmittel überhaupt möglich? Oder müssen Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden?

Dr. Klaus: Die Versorgung mit Nährstoffen im Sinne von ausreichender Kalorienzufuhr ist nach bariatrischen Operationen gegeben. Vor allem nach der Magenbypassoperation können Eisen, Kalzium und bestimmte Vitamine aber teilweise nicht ausreichend vom Körper aufgenommen werden, da dies üblicherweise im Magen, im Zwölffingerdarm und im oberen Dünndarm geschieht. Diese Bereiche werden aber von der Nahrungspassage ausgeschaltet. Deshalb sollten je nach Operationsverfahren Vitamin- und Mineralstoffpräparate separat eingenommen werden. Wichtig ist auch zu erwähnen, dass bei vielen Patienten trotz des Übergewichtes bereits vor der Operation ein Vitaminmangel vorliegt.

KiloCoach™: Damit sich beim Abnehmen kein Sparflammenstoffwechsel einstellt, ist es notwendig, eine bestimmte Kalorienmenge aufzunehmen. Ist das mit einem verkleinerten Magen überhaupt möglich?

Dr. Klaus: Ja. Im Durchschnitt werden ca 1200 kcal empfohlen, wobei dies auch sehr von der körperlichen Aktivität des Betroffenen abhängt. Genauso wichtig wie die Anzahl der Kalorien ist auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, vielseitig zu essen und reichlich Flüssigkeit zu trinken.

KiloCoach™: Wie viel nehmen die Leute im Durchschnitt nach einer Magenverkleinerung ab?

Dr. Klaus: Im Durchschnitt nehmen Patienten zwischen 50 und 75% ihres Übergewichts ab. Es geht dabei in erster Linie nicht darum das Normalgewicht zu erreichen, sondern vielmehr ein Wohlfühlgewicht und um den Verlust der Komorbiditäten wie Bluthochdruck, Diabetes, etc.

KiloCoach™: Was müssen Frauen beachten, die nach einer Magenverkleinerung schwanger werden? Welche Probleme können ansonsten auftreten?

Dr. Klaus: In den ersten zwei Jahren nach einem bariatrischen Eingriff empfehlen wir eine entsprechende Empfängnisverhütung. Anschließend ist während der Schwangerschaft eine engmaschigere Kontrolle nicht nur gynäkologisch sondern auch chirurgisch und internistisch notwendig. Nach allen Operationsmethoden gibt es ausreichend Erfahrungsberichte, dass Frauen gesunde Kinder gebären können. In der Phase des Abnehmens wird allerdings empfohlen eine Empfängnisverhütung zu betreiben, da eine ausreichende Ernährung des Kindes in der Gebärmutter in der Abnehmphase ansonsten nicht immer gewährleistet sein kann. Mangelernährungen während der Schwangerschaft können daher zu unterschiedlichen Problemen in der Entwicklung des Kindes bis zum Schwangerschaftsabbruch führen.

KiloCoach™: Wenn stark übergewichtige Personen abnehmen, lässt es sich fast nicht vermeiden, dass an z.B. an Bauch oder Oberschenkel überschüssige Haut bestehen bleibt. Ist das nur ein kosmetisches oder auch ein medizinisches Problem? Kann diese überschüssige Haut ohne große bleibende Narben entfernt werden?

Dr. Klaus: Überschüssige Haut kann bei starkem und raschem Gewichtsverlust durchaus medizinische Probleme in den Hautfalten mit sich bringen. Zwischen den Hautlappen kann es häufig zu Pilzinfektionen, Rötungen oder Geschwürsbildungen kommen. Die überschüssige Haut kann in den allermeisten Fällen chirurgisch entfernt werden, wobei Narben entstehen, die optimalerweise so platziert werden, dass sie möglichst nicht für jeden sichtbar sind.

KiloCoach™: Vielen Dank Herr Dr. Klaus für das Interview!

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Die wichtigsten Facts über gängige Methoden:

  Magenband Magen-Bypass Schlauchmagen
Spitalsaufenthalt Ca. 4 Tage Ca. 7 Tage Ca. 7 Tage
Möglicher Gewichtsverlust 40-55% des Übergewichtes in 2 Jahren 50-70% des Übergewichtes in 2 Jahren 50-70% des Übergewichtes in 2 Jahren
Mögliche Komplikationen Infektionen oder technische Probleme am Port, Magenband kann durch die Magenwand in den Magen wandern, Band kann undicht und funktionslos werden, Band kann verrutschen und zu Schluckproblemen führen, Erbrechen und Sodbrennen; im Fall einer Schwangerschaft muss das Band entblockt werden, d.h. die Flüssigkeit muss abgezogen werden. Bauchfellentzündung, Nährstoffmangel, Restmagen und Gallenwege sind nicht mehr endoskopisch erreichbar sondern nur mit Operation, Schluckprobleme, Magengeschwüre, dauerhafte Durchfälle, Unterzuckerungszustände bis Kollaps, Bauchfellentzündung, Sodbrennen,
Verhaltensregeln nach OP Vitaminpräparat wird empfohlen, keine Süßigkeiten und hochkalorischen Getränke (Limonaden, Energy Drinks,…), keine großen Mengen essen Immer Traubenzucker mithaben, keine großen Mengen essen, Pille wirkt nicht Vitaminpräparat wird empfohlen, keine Süßigkeiten und hochkalorische Getränke (Limonaden, Energy Drinks,…), Pille wirkt nicht
Nachsorge   Regelmäßige Laborkontrolle, Ambulanzkontrolle im 1. Jahr alle 3 Monate, danach halb- bzw. jährlich, Vitamin B12 Spritze alle 2 Monate Regelmäßige Vitamin B12 Werte Kontrolle, keine Vitamin B12 Spritze nach derzeitigem Wissensstand notwendig

 

Von einem Adipositas-chirurgischen Eingriff wird nicht selten eine einfachere und schnellere Gewischtsabnahme erwartet. Doch schauen wir uns dazu ein Beispiel an. Beim Magenband wird ein möglicher Gewichtsverlust von 40-55% des Übergewichts in 2 Jahren angegeben. Bei einer Person mit 140 kg entspricht das einer Gewichtsabnahme von ca. 35 kg in zwei Jahren. Beim „natürlichen“ Abnehmen wird eine Gewichtsabnahme von 0,5 -1 kg pro Woche empfohlen, das heißt, 35 kg in 2 Jahren abzunehmen ist absolut realistisch, es entspricht lediglich 0,35 kg pro Woche. Klar, es ist nur ein Rechenbeispiel und die Praxis sieht oft anders aus, möglich und realistisch ist aber eine natürlich Gewichtsabnahme in der selben Zeit durchaus. Egal für welche Abnehmmethode Sie sich entscheiden, Sie brauchen in jedem Fall viel Geduld, Disziplin und die Bereitschaft zur aktiven Veränderung. Denn, das Abnehmen haben nur Sie selbst in der Hand!

Interview mit Betroffenen

Wir wollten wissen, wie es den Betroffenen selbst geht und haben zwei davon direkt befragt. Lesen Sie mehr

Pepe Assistant

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